philosophie

der rollbankkreis

Etwas Schönes bauen und sich daran erfreuen, das ist ein Aspekt des Handwerks, der manchmal vergessen wird. Das Handwerk hat seinen goldenen Boden verloren, eigentlich wurde er ihm geraubt. Wo die Profitmaximierung zur obersten Richtschnur wurde, geht die Wertschätzung leicht verloren.

Auf den Feldern der Ehre geopfert, wurde der Stolz auf das eigene Tun. Wer einst Waagerechte und Senkrechte beherrschte, muss nun Plaste mit Elaste verschweißen. Wer mit den Materialien vertraut war und sein Werkzeug duzte, muss heute stramm stehen vor den Anweisungen der Zulieferer. Und das bedeutet auch, wer früher einen Taler in die Tasche bekam, trägt ihn heute zu den Herstellern von Dingen die eigentlich keiner haben will. Es wird noch auf allen Ebenen gebetet, vor billigen Altären der Massenware, wie in den Tempeln der vergoldeten Wasserhähne. Vielleicht ist das aber auch einfach die immer währende Verblendung der menschlichen Seele im Angesicht des kapitalistischen Weltwunders. Die Welt verändern werden wir so schnell nicht, aber unsere Arbeit holen wir uns zurück!

Schönheit und Nutzen, Auskommen und Zufriedenheit, Kultur schaffen und gestalten, das sind Werte, die den Boden erst vergolden. Wer nur an sein Buchgeldkonto denkt hat auf Sand gebaut, seine goldene Nase ist zum goldenen Kalb verkommen. Irr tanzt er mit seinem langen Riechorgan vor dem leeren Sparstrumpf, wundert sich über Depressionen und feiert den Burn-out. Ein weinender Handwerker im Angesicht seiner Werke, das ist ein Novum in der Menschheitsgeschichte. Wie kommen wir also zu einer befriedigenden Arbeit, ohne mit den Regeln der modernen Welt zu kollidieren?

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Der erste Schritt ist die Profitmaximierung zu verneinen. Natürlich arbeiten wir nicht umsonst, auch nicht billig, vielleicht nicht einmal schnell, sondern angemessen. Woran? An die Welt! Niemand kann diesen Maßstab fixieren, Wirtschaftsforscher müssen hier im Trüben fischen; also haben wir ihn erfühlt. Eine Besonderheit des handwerklichen Geschehens war immer die Verbundenheit des Könners mit seinem Kunden. Dort wurden Wünsche formuliert, Möglichkeiten erörtert und Wege gesucht. Der Wert entsteht in diesem Gespräch, dem Tun, dem Prozess. Dafür hat heute keiner mehr Zeit, das merken wir täglich, aber gerade daran muss sich etwas ändern.

Wir halten also unseren Kreis rund und offen. Die Leistungen werden begrenzt bleiben, weil der Mensch an sich begrenzt ist. Unseren Spaß, unsere Freude, können wir uns eigentlich gar nicht leisten, also tun wir uns zusammen, um in der handwerklichen Wertschöpfung etwas wiederzufinden, was im Wirtschaftsleben verschwunden ist.

mit bunten Wünschen, Martin Krampfer

Erstellt von Emil Kallias | Bearbeitet am 7. März 2016 von Emil Kallias